Donnerstag, 17. Mai 2012
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Snoopys* Wort zum Sonntag. Thema heute: 50 Jahre Drogenprohibtion

Sonntag, 18. September 2011



Drogen sind so alt wie die Menschheit selbst. Nur das Drogenverbot ist neu und wurde dieses Jahr 50 Jahre alt. Neben jährlichen Umsätzen im Billionen Dollar Bereich, die direkt und steuerfrei an kriminelle Organisationen fliessen, hat die UN-Drogenprohibition unglaubliches Leid über diesen Planeten gebracht. Sonst nichts. Heute greifen die Leute zu Medikamenten und glauben ernsthaft, dass es sich dabei nicht um Drogen handelt.

Vom UN-Drogenverbot, das 1961 völkerrechtlich abgenickt wurde, profitierte vor allem die global funktionierende Mafia, die bereits in den 20er Jahren gute Erfahrung mit der amerikanischen Alkohol-Prohibition machte. Denn die Mafia merkte schnell, dass sie viel mehr Geld verdienen, wenn der Alkohol illegal ist. Zusätzlich ist das Geld steuerfrei und die Qualität des Alkohols spielte auch keine Rolle. Ausserdem ist die Konkurrenz kleiner und lässt sich besser ausschalten, weil Illegalität keinen Gesetzesschutz kennt.

Für die Mafia war das internationale Drogenverbot vor 50 Jahren wie Weihnachten, Geburtstag und Muttertag zusammen. Denn je strikter das Verbot, desto gewinnträchtiger das Geschäft, weil das Gesetz selbst die Konkurrenz verdrängt – wie gerade jetzt in Mexiko. Am Ende helfen Polizei und Zoll also entschieden mit, die Konkurrenten der Drogenkartelle auszuschalten und arbeiten so direkt für die Drogenkartelle, selbst wenn sie unbestechlich und frei jeder Sünde sind. Ein perfektes System also, das seit 50 Jahren reibungslos funktioniert.

Doch warum lassen sich die Leute überhaupt auf Drogen ein? Nicht weil sie schwach sind, wie die Gesellschaft einem verklickern will oder labil, sondern weil der Mensch den Rausch braucht. Seit es Menschen gibt, gibt es auch Drogen. Dazwischen entstand über die Jahrtausende eine innige problemlose Beziehung, die vor 50 Jahren abrupt endete.

Schon die alten Griechen nahmen Opium, die Azteken Peyote (Mescalin) und Marihuana. Und auch die Schweizer rauchten früher in der Backpfeife nicht den unerschwinglichen Tabak, sondern das billige Hanf, das als Unkraut hinter dem Haus wuchs. Daraus machte man auch Schnüre, Kleider oder Tee. Versuche des Staates, Drogen zu verbieten, sind ein Phänomen des 20. Jahrhunderts, eine direkte Folge viktorianischer Moral. Mit haarsträubenden Kampagnen wurden und werden Drogen an den Rand der Gesellschaft gedrängt, wo sie eine der grössten Geschäftszweige sind.

Ins Zentrum der Gesellschaft rückten legale Medikamente, die zeitgleich mit dem Verbot von Drogen anfingen zu boomen, was beweist, dass der Mensch Drogen braucht und will. Künstlich hergestellte Drogen, verpackt als Medikament, nahmen jenen Platz ein, die einst natürliche Drogen innehatte, bevor die Welt anfing, Pflanzen in legal und illegal einzuteilen. Die Gehirnwäsche der Pharmaindustrie, natürliche Drogen seien schädlich und Medikamente gesund, hält bis zum heutigen Tag. Oder anders gesagt: Drogenprobleme gibts erst, seit es Drogenverbote gibt. Die Drogen waren schon immer da, die Menschen auch. Und es hat funktioniert, bis es verboten wurde. Seit damals herrscht das blanke Chaos.

Die Folgen sind verheerend. Man schätzt, dass weltweit täglich rund 1'000 Menschen direkt oder indirekt durch die Folgen der Drogenprohibition ums Leben kommen, während Gangster mit geringem Aufwand Milliardenumsätze machen. Natürlich steuerfrei.

Die Vereinten Nationen gehen von jährlichen Umsätzen von 500 Milliarden bis 1 Billion Dollar aus. Das ist mehr als die globale Ölindustrie. Die Drogenindustrie beschäftigt etwa 20 Millionen Menschen und bedient an die 200 Millionen Kunden. Etwa die Hälfte der Abnehmer befindet sich in den Vereinigten Staaten, dem grössten Einzelmarkt für Drogen. Die meisten der etwa 50 Länder, die Drogen produzieren und exportieren, sind sehr arm, was bedeutet, dass nichts vom Big Business für die Bevölkerung abfällt. Viele Erzeugerstaaten sind überdies Schauplatz gewalttätiger Konflikte, wie zum Beispiel Kolumbien, Birma oder Afghanistan. Doch was ist Ursache und was Folge des Drogenhandels? Geht es wirklich um deren Bekämpfung? Im Gegenteil.

Spätestens seit der Iran-Contra Affäre, bei der rausgekommen ist, dass die C.I.A. selbst zu den grössten Kokainimporteuren gehörte, und bei der alle verurteilten Beteiligten unter George W. Bush senior begnadigt und in der Bush Junior-Administration sogar rehabilitiert wurden. Es erstaunt also nicht, dass die alten Cocaine-Cowboys auf Opium umsattelten. Darum ging es 2001 nach Afghanistan, um sich den weltweiten Opiumhandel zu sichern. Seit der NATO-Invasion in Afghanistan hat sich der Opiumanbau um 3'200 Prozent vervielfacht. Während 2006 die Opiumernte etwa 6'100 Tonnen betrug, waren es vor der US-Invasion nur 185 Tonnen.

Die Welt wäre eine bessere, wenn alle Drogen legalisiert werden würden. Sowohl die harten, wie auch die Weichen, ganz weichen und superblöden. Egal, was es ist. Solange es illegal ist, bereichert sich eine illegale Institution daran.

Die meisten Leute haben Angst vor der Legalisierung und fürchten, dass ihre Kinder drogenabhängig werden würden. Keine Angst, die Pharmaindustrie ist an dieser Zielgruppe schon mächtig dran und versorgt die Kids mit reichlich abgefahrenem Stoff, das jetzt sogar die Junkies für sich entdeckten. Wer Angst hat, dass die Gesellschaft komplett verdrogt werden würde und die Welt im Chaos enden, der soll mal Bilder seiner Grosseltern anschauen: Die sind ja auch recht rausgekommen, obwohl zu Opas Zeiten alle Drogen der Welt so legal waren wie Äpfel und Birnen. Das Argument der omnipräsenten Verfügbarkeit ist so absurd, wie einem Supermarkt zu verbieten, so viele Lebensmittel zu verkaufen, dass ein Mensch daran sterben könnte, wenn er alles essen würde. Tut er aber in den meisten Fällen nicht. Ausser Elvis, der seine Pillen ebenso gerne ass wie sein Erdnusscreme-Bananen-Specktoast. Im Glauben, es seien Medikamente, gilt heute Elvis als Opfer übermässigen Drogenkonsums – das hätte der King so nicht gewollt. Ebenso Michael Jackson, der sich mit „Narkose“-Injektionen ins Jenseits schoss – wie bizarr.

Als Beispiel, welch gigantische Chancen nur schon das Legalisieren von THC-Hanf für die Gesellschaft hätte, sehen Sie in der folgenden Doku „Hanf das Milliardfen Dollar Kraut“.

*Snoopy ist unser Redaktionshund und Sonntagskolumnist, eine Art Frank A. Meyer. Einfach mit geflecktem Schwanz.







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