Donnerstag, 17. Mai 2012
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Wut auf US-Truppen in Haiti!

Mittwoch, 20. Januar 2010



Nicht nur die verzweifelten Flüchtlinge sind wütend auf die US-Truppen, die Flugzeuge mit Hilfsgüter wieder wegschicken oder nicht verteilen, auch Brasilien und Frankreich sind am Kochen, dass die USA die Kontrolle über Haiti übernommen – sprich anekdiert – haben.

Nachdem die USA die Hoheit über den Flughafen und die Kontrolle des Landes übernommen haben, ist allen klar, dass die USA gekommen sind um zu bleiben. Und dass es sich bei dem Aufzug der Truppen gar nicht um eine Hilfeleistung handelt, sondern um eine knallharte Invasion. Denn echte Hilfe sieht anders aus.

Wie „Focus Online“ schreibt, haben Frankreich und Brasilien formelle Beschwerde in Washington eingelegt, weil US-Truppenflüge bevorzugt Landeerlaubnis in Haiti erhalten und Flugzeuge mehrerer Hilfsorganisationen in die Dominikanische Republik umgeleitet wurden. Die USA hätten den Flughafen «anektiert», wurde der französische Aussenminister Bernard Kouchner zitiert. Wie „spiegelonline“ schreibt, hat auch die die brasilianische Regierung reagiert und Washington eine dringliche Mitteilung zukommen lassen: Als Führungsnation der 9000-köpfigen Uno-Friedensmission Minustah denke man nicht daran, die Kontrolle über die Insel aufzugeben. Der Wiederaufbau Haitis soll nach dem Willen der Regionalmacht Brasilien ein Projekt Lateinamerikas bleiben. Doch das geht den Amis am Arsch vorbei. Die Marines halten den Flughafen in der Hauptstadt und haben vor der Küste mit dem Flugzeugträger «USS Carl Vinson» einen weiteren «schwimmenden Landeplatz» geschaffen.

Über die Vorwürfe abgewiesener Flugzeuge voller Hilfsgüter, hunderten von Flüchtlingen, die auf ihre Evakuierung warten, tonnenweise Nahrungsmittel, die  keiner verteilt, schreibt auch „ntv“ auf ihrer Website.  Denn auf dem von US-Truppen kontrollierten Flughafen der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince herrscht noch immer das blanke Chaos. Gleichzeitig wächst die Kritik an den US-Truppen. «Lasst uns die Landebahn stürmen», brüllt ein verzweifelter Mann.

«Sie fliegen nur die Amerikaner aus und nicht die anderen», kritisiert der 50-jährige Franzose Charles Misteder. «Das amerikanische Monopol muss aufhören. Sie lassen uns nicht nach Hause.» US-Truppen hatten am Freitag in Absprache mit der haitianischen Regierung die Kontrolle über den beim Erdbeben beschädigten Flugplatz Toussaint L´Ouverture übernommen.

Diplomaten anderer Staaten versuchen wütend, eigene Landsleute zu wartenden Flugzeugen zu führen. Den USA wird vorgeworfen, die einzige Landebahn des kleinen Flughafens für die Evakuierung von US-Bürgern zu beanspruchen. Rund 200 französische Staatsbürger hatten die Nacht auf Samstag auf der Landebahn verbracht, nachdem ihre Evakuierung auf die französische Karibikinsel Guadeloupe am Freitag gescheitert war. In letzter Minute war einem Flugzeug, das sie dorthin bringen sollte, die Landeerlaubnis entzogen worden. Am Samstag wurden sie schliesslich ausgeflogen.

Andere warteten weiter: «Ich war im Christopher Hotel und wurde herausgezogen, die anderen nicht» erzählt am Wochenende erschöpft Daniele Saada, eine 65-jährige Angestellte der UN-Mission in Haiti MINUSTAH. «Jetzt möchte ich nach Frankreich zurückkehren. Ich habe nichts mehr, und jetzt sitze ich hier fest», fügt sie wütend hinzu. Noch immer besteht kein funktionierendes Kommunikationsnetz: «Ich konnte meiner Familie noch nicht sagen, dass ich am Leben bin», sagt der 33-jährige Wilfried Brevil. «Die Koordination ist ein Witz.»

Kritik kommt auch von der haitianischen Regierung: «Es gibt grosse Koordinierungsprobleme am Flughafen» sagte Regierungsvertreter Michel Chancy. «Die Haitianer werden über die Ankunft von Flugzeugen nicht unterrichtet. Wenn sie landen, dann übernimmt niemand die Ware und grosse Mengen von Gütern kommen ohne Koordination an.» Auch „Ärzte ohne Grenzen“ erheben schwere Vorwürfe gegen die US-Truppen in Haiti. Weil diese den Flughafen blockierten, fehlen den Helfern Medikamente und Hilfsgüter. Flüge mit medizinischer Ausrüstung und Nahrungsmitteln aus Argentinien, Mexiko und Peru wurden nach Angaben von Vertretern der USA und der Vereinten Nationen in die Dominikanische Republik und auf benachbarte Inseln umgeleitet. Doch da nützen sie niemandem was.

US-Aussenministerin Hillary Clinton betonte am Samstag bei einem Blitzbesuch auf dem Flughafen, die USA seien auf Einladung der haitianischen Regierung hier: «Wir sind heute hier, wir werden morgen hier sein und in der Zeit, die vor uns liegt.» Die US-Armee schickt mehr als 10.000 Truppen in den schwer verwüsteten Karibikstaat. Der US-Botschafter in Haiti, Kenneth Merten, räumt hingegen Schwierigkeiten ein. «Es ist normal, dass es Frustrationen gibt», sagte er. Dafür seien vor allem Kommunikationsprobleme verantwortlich: «Sobald es Handy-Empfang gibt, wird es viel besser funktionieren.» Oder wenigstens eine Burger King Filiale.

 

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