Snoopys* Wort zum Sonntag. Thema heute: Schlecht drauf Medien
Sonntag, 15. Januar 2012
Das Gegenteil von Lifestyle-Zeitschriften, die einem Glück und Segen versprechen, sind Konsumentenzeitschriften, die einem jegliche Lebensfreude nehmen. In solchen Zeitschriften fühlen sich die LeserInnen ständig betrogen, haben Alltagsstress, Blut im Stuhl, ständiger Harndrang und Angst, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Wird man so, wenn man den „Beobachter“ liest oder liest man den „Beobachter“ erst, wenn es einem zu gut geht?
Dass Konsumieren nicht glücklich macht, merkt man spätestens, wenn man den „Beobachter“ liest. Die Hauptbotschaft des Konsumentenmagazins besteht darin, dass das Leben kein Ponyhof ist. Sehr oft geht es zum Beispiel um Streit mit irgendwem. Entweder mit dem Nachbar, dem Hausbesitzer oder demjenigen, der gerade in der Nähe ist. Beliebt sind auch alle Beiträge zum Thema Krankheiten – da gibt’s den ganzen Katalog von seltenen bis Volkskrankheiten. Warum interessieren sich Leute so brennend für die Krankheiten von anderen anstatt sich ihrer Gesundheit zu erfreuen?
Aber auch die anderen Themen sind so miesepetrig, dass man danach am liebsten von der Klippe springen würde. Es wird schwarzgemalt (Die meisten schweren Unfälle passieren in den eigenen vier Wänden), verunsichert (Sind sie ausreichend versichert?) oder ganz einfach pure Angst gemacht (Tot wegen Schnarchen!).
Anstatt das Leben einfach so zu nehmen wie es kommt, gaukeln einem Konsumentenzeitschriften vor, dass man das Leben im Griff habe, wenn man einen prallgefüllten Arzneischrank hat und alle Versicherungspolicen im Halbjahrestakt von mehreren unabhängigen Finanzexperten prüfen lässt.
Eine Zeitschrift wie der „Beobachter“ kann es nur in einem Land geben, dem es so gut geht, dass es sich pausenlos Gedanken darüber machen kann, wie es wohl wäre, wenn es einem nicht so gut gehen würde.
*Snoopy ist unser Redaktionshund und darf hier jeden Sonntag kolumnieren, so wie dieser Frank A. Meyer im SoBli. Snoopy ist übrigens neu auch auf Facebook.