Seit 36 Jahren diktieren Mitte Januar am Genfer See Schweizer Wirtschaftsbosse die Agenda unserer Landespolitik. Bis vor einem Jahr noch total geheim und sogar mit vertraulicher Unterstützung der NZZ. Dass es sich beim hochrangigsten Treffen der Schweiz nicht um einen Kaffeekränzli geht, liegt auf der Hand. Heute startet das von Nestlé organisierte Elite-Treffen, wo die Weichen der Schweiz gstellt werden.
Heute trifft sich der ganze Abzockerfilz wie jedes Jahr seit 36 Jahren am Genfersee im Nestlé eigenen Hotel „Rive Reine“. Das Treffen ist streng geheim, obwohl die NZZ vor Ort ist und den Anlass sogar moderiert, aber seit Jahrzehnten über den Inhalt des Treffens schweigt. Und Sie dachten, die NZZ sei unabhängig?
Der Diskretion der NZZ sei dank, weiss man fast nichts über das verschwörerische Treffen. Ausser, dass sich die Elite der Schweiz am Anfang jedes Jahres für eineinhalb Tage trifft. Eingeladen werden nur die Chefs direkt von der Nestlé-Chefetage: die 40 mächtigsten Schweizer Konzernbosse plus einige Politiker. Teilnehmer letztes Jahr waren unter anderem: Gastgeber Peter Brabeck, Frau Martullo-Blocher, die den Blocher-Clan vertrat, Daniel Vasella für die Novartis oder Oswald Grübel für die UBS. Morgen dürfte es dasselbe Pack sein, die am Geheimtreffen teilnehmen. Ausserdem: Eveline Widmer-Schlumpf und Johannes Schneider-Ammann.
Wenn sich Bundesräte mit den obersten Firmenchefs im Geheimen treffen, sollte dies die Bürger eigentlich was angehen. Am Jahrestreffen der Mächtigen am Genfersee werden schliesslich die Weichen für die Zukunft der Schweiz gestellt, schreibt auch der Publizist Viktor Parma in seinem Buch «Machtgier». Hinter verschlossenen Türen wird am Genfersee die wirtschaftspolitische Agenda der Schweiz gesetzt und zum Beispiel vereinbart, dass der Bundesrat kein Verfahren gegen die UBS eröffnet oder der „Schweinegrippe“-Betrug folgenlos bleibt.
Letztes Jahr „flog“ das Geheimtreffen erstmals, als ein Kamerateam das Treffen von „10 vor 10“ filmte. Es waren nach 35 Jahren die ersten Aufnahmen und der erste Protest gegen Rive-Reine. Die Leute vom Public Eye, dem Anti-WEF-Protestforum von Greenpeace und der Erklärung von Bern, stellten einen Laser auf, der ein grosses Auge auf die Fassade projizierte und die Schrift: «public eye is watching you».