Heute wird der berühmteste Urs Hofer der Schweiz 66 Jahre alt. Und das ist nicht selbstverständlich. Obwohl Polo Hofer in all den Jahren keine Weinflasche voll liess, keinen „Stumpen“ ungeraucht und fast kein Konzert nüchtern, hat er den Rock’n’Roll überlebt. Das können nicht alle von sich behaupten.
Während die Grenzschutzsoldaten 1945 „Margritli“ singend zu Haus und Hof zurückkehrten, wurde im Berner Oberland Urs Hofer geboren. Den Namen „Polo“ erhielt er als Pfadfinder von Hugo Ramseyer, dem Gründer des „Zytglogge Verlags“, weil Polos Eltern im „Maison Hofer“-Modegeschäft in Interlaken bereits Polohemden anboten, was damals etwas Neues war. Der Name „Polo Hofer“ wurde am 4. Mai 2006 als eigenständige Marke geschützt und registriert.
Als 16-Jähriger begann Hofer eine Lehre als Handlithograf und gründete seine erste Band, wo er trommelte und sang. Und zwar so gut, dass er 1967 beim schweizerischen Rhythm’n’Blues-Festival zum besten Sänger erkoren wurde. Fast ein bisschen wie Musicstar, einfach ohne Chris von Rohr. Im Sommer 1971 gründete er mit Hanery Amman, Schifer Schafer (aktuell bei Stiller Has) und Sämi Jungen die Mundart-Band Rumpelstilz. 1973 erschien die erste Single „Warehuus-Blues“, 1975 die erste (von insgesamt 3) Rumpelstilz-LPs „Vogelfuetter“. Mit Rumpelstilz brachte er 1976 auf Berndeutsch unter anderem die beiden Hits „Kiosk“ und „Teddybär“ heraus, was der Durchbruch des Berner Mundartrocks war. Doch die Band trennte sich Ende der 70er Jahre.
Polo machte weiter mit Polos SchmetterDing, mit Span und Marianna Polistena. 1989 kamen die Rumpelstilz in Original-Besetzung für eine kurze Reunion zusammen und spielten das legendäre Album „Live im Anker“, das Doppel-Platin erreicht hat. 1984 gründete Polo Hofer die SchmetterBand, mit welcher er bis Januar 2003 mit kurzem Unterbruch unterwegs war und zahlreiche Hits wie „Alperose“ hatte. Das Abschiedskonzert wurde dokumentiert auf der DVD „AbXang & Usklang“.
Letztes Jahr erschien Hofers erstes Solo-Album „Prototyp“. Es entstand in rund vierjähriger Zusammenarbeit mit dreissig auserlesenen Musikern und Sängerinnen. Es landete sofort auf Platz 1 in der Schweizer Hitparade, erreichte binnen eines Tages Gold- und nach drei Wochen bereits Platin-Status (für 30.000 verkaufte Exemplare). Das Album hielt sich sieben Wochen lang in den Top Ten der CH-Hitparade.
Polo Hofer ist mehr als nur Sänger, sondern ein ebenso gereifter Maler, Dichter, Veranstalter und Schauspieler. Er verfasste mit „Der Rock, der Roll & überhaupt“ einen Gedichtband und spielte Hauptrollen in den Filmen „Das Schweigen der Männer“ und „Die Vogelpredigt“ von Clemens Klopfenstein sowie die Rolle des Herrn Aschwanden in „Die Nagelprobe“ von Luke Gasser. Urs Polo Hofer ist verheiratet mit Alice Hofer und wohnt glücklich und zufrieden in Oberhofen am Thunersee, nachdem er vor einigen Jahren arge gesundheitliche Probleme hatte, die ihn fast über den Jordan schickten.