Hoch die Tassen für Nina Hagen. Nicht, dass Nina nicht mehr alle im Schrank hätte; sie feiert heute ihren 56. Geburtstag. Die Sängerin, die ab und zu auch schauspielert, galt nicht nur lange als Deutschlands Elternschreck Nummer Eins, sondern auch als ostdeutsches Schlagergör, das von heile Welt und Farbfilmen sang.
Bevor Nina Hagen Westdeutschland schockierte, war sie erst ein braves ostdeutsches Mädchen, deren Stiefvater der berühmte Wolf Biermann bereits auf der „Liste“ stand. Obwohl sie als Schlagersängerin in der DDR voll durchstartete, musste Wolf Biermann 1975 in den Westen emigrieren. Zusammen mit ihrer Mutter, der Schauspielerin Eva Maria Hagen, ging auch die 20-Jährige in den Westen. Das war das Ende der fröhlichen Heile-Welt-Musik, sie ging nach England und kam zum ersten Mal mit Punk in Kontakt.
Wieder zuhause in Deutschland, gründete Nina 1977 die Nina Hagen Band, die später (ohne Nina) als „Spliff“ bekannt werden sollte. Die ersten zwei Veröffentlichungen der Nina Hagen Band schlugen im alternativen Milieu der Bundesrepublik ein wie eine Bombe, «TV Glotzer» von der ersten LP «Nina Hagen Band» (1978) und der «African Reggae» von «Unbehagen» (1979) liefen Ende der Siebziger auf jeder coolen Party.
In der österreichischen Spätabend-Diskussionssendung Club 2 vom 9. August 1979 zum Thema Jugendkultur erregte Nina Hagen grosses öffentliches Aufsehen, als sie vor laufender Kamera – zwar angezogen, aber explizit – verschiedene Stellungen zur weiblichen Masturbation demonstrierte. Der Diskussionsleiter musste deswegen später als Gastgeber der Sendung zurücktreten. Darum ignorierten die meisten Radios zunächst ihre Musik.
Nina Hagen versuchte 1979 ihr Glück in der Fremde. Musikalisch weder in Paris, noch in Rio oder New York so richtig erfolgreich, floppte auch ihr erstes englischsprachiges Album «Nunsexmonkrock».
Dafür schaffte sie es mit ihren Ufotheorien, autoerotischen Demonstrationen, dem grossen Interesse an Esoterik und Buddhismus, sowie ihrem Engagement für Tierschutz immer wieder in die Schlagzeilen, was ihr bald das Image als schrillster Pop-Star Deutschlands einbrachte. Stilgerecht nennt sie ihre 1981 geborene Tochter dann auch Cosma Shiva Hagen. Der erste Name wegen ihrer Ufo-Sichtung am Strand von Malibu, Shiva als Tribut an die gleichnamige indische Gottheit. Einer der Höhepunkte dann die Hochzeit mit einem 17-jährigen Punkmusiker auf Ibizia, der nach nur einer Woche die Trennung folgte.
Schliesslich wandte sie sich 1989 mit «Nina Hagen» wieder dem deutschsprachigen Publikum zu.
1995 zog sie nach Los Angeles, unterstützte dort tatkräftig die Tierschutzorganisation PETA und schrieb dazu das Lied «Tiere» aus dem Album «Freud Euch» das im selben Jahr erschien. Vor allem aber bewies sie ein Gefühl für starke Partner. So unterstützte sie 1998 Thomas D von den Fantastischen Vier auf «Solo» der ersten Single seines gleichnamigen Albums. Mit dem Stück schaffte Nina es zum ersten Mal seit Anfang der Neunziger wieder bis in die Top 20 der deutschen Charts.
Seit ihrer Trennung von den späteren Spliff-Musikern 1979 wirkte sie neben ihren eigenen Plattenaufnahmen bei unzähligen Projekten mit. Die Anzahl sämtlicher weltweit erschienener Platten- und CD-Veröffentlichungen, auf denen Nina Hagens Gesang zu hören ist, dürfte bei annähernd 500 liegen. Das „Nina-Hagen-Archiv“ etwa zeigte im Oktober 2005 206 Vinylplatten, 180 CDs und 30 Audiocassetten, sowie 21 Videocassetten und 12 DVDs.
Im März 2008 veranstaltete Nina Hagen in Berlin eine Aufklärungsshow, die sie später über das Internet publizierte («Nina Hagen unzensiert»). Dort kritisierte sie öffentlich die Medien, die ihrer Meinung nach nicht verfassungsgerecht über aktuelle Ereignisse in der Politik und Wirtschaft berichteten. Und das müssen Sie gesehen haben. Gleich hier.