Maximilien de Robespierre – Der kopflose Revolutionär
Donnerstag, 28. Juli 2011
Der 28. Juli 1794 war kein guter Tag für Maximilien de Robespierre und 21 seiner Anhänger. Denn es war ihr letzter. Der Revolutionär und seine Mannen wurden heute vor 217 Jahren in Frankreich geköpft. Dabei fing alles ganz harmlos an, mit einer Broschüre, die der Rechtsanwalt Robespierre verfasste. Es folgten fünf Jahren blutigen Aufstandes, die schliesslich unter der Guillotine endeten.
Die ersten 31 Jahre des Rechtsanwaltes Maximilien de Robespierre verliefen mehr oder weniger normal, im Vergleich zu dem, was ab 1789 passierte. Bis dahin war er ein normaler Bürger, der mit den Problemen des Lebens fertig werden musste. 31-jährig wurde er zum Delegierten des dritten Standes für die Stadt Arras in die Versammlung der Generalstände gewählt, die von Ludwig XVI. 1789 eigentlich dazu einberufen worden war, seine Steuererhöhungen durchzusetzen. Die Provinz Artois war eine der wenigen, in denen die Provinzialstände nie aufgehört hatten zu bestehen. Robespierre war der Ansicht, diese Stände vertraten nicht die Einwohnerschaft.
In der Nationalversammlung fiel Robespierre zunächst auf, weil er die liberale Mehrheit mit radikalen Forderungen erschreckte: Er forderte Pressefreiheit, allgemeines Wahlrecht für alle Männer, Abschaffung der Sklaverei in den Kolonien, Aufhebung der Todesstrafe, Beseitigung der Privilegien des Klerus. Die Vernunft sollte die einzige Grundlage, die Tugend das große Ziel des Staates sein. Bald galt Robespierre als Linksradikaler und trat dem linken „Club der Jakobiner“ bei, der sich regelmäßig im Dominikanerkloster Saint-Jacques in Paris traf. 1790 wurde er deren Präsident.
Seine revolutionäre Laufbahn begann im Januar 1789 mit der Abfassung einer Broschüre,
worin er die Provinzialstände «einen Bund einiger Bürger» gegen das Volk nannte. Im März, wahrend der Wahlen zu den Generalständen, unterstützte er eine Schuhmacherzunft und identifizierte sich auf diese Weise bereits damals mit dem einfachen Volk. Als die Würdenträger der Stadt Arras, von denen einige dem Adel angehörten, versuchten, die Wahlen des Dritten Standes zu beeinflussen, veröffentlichte er eine zweite Broschüre. Robespierre war in die Wahlversammlung der Provinz gewählt worden, wo der Klerus und der Adel vorschlugen, auf einige ihrer Vorrechte zu verzichten. Als der Dritte Stand dies mit Beifall aufnahm, weigerte sich Robespierre, an der Dankesbezeigung teilzunehmen, und erklärte, für den Verzicht auf Mißbräuche, die immer unentschuldbar gewesen seien, schulde man keinen Dank. Im Juni beschuldigte Robespierre den Klerus in den Generalständen in Versailles ganz ungerechterweise des Staatsverrats.
Er machte bald im Jakobinerklub, welchem er seit 1792 zugehörte, durch seine von den Ideen J.J. Rousseaus geprägten Reden auf sich aufmerksam und erwarb sich auf Grund seiner bescheidenen Lebensführung und seines Eintretens für das einfache Volk den Ruf des «Unbestechlichen». Seine demokratische Orientierung und seine Verurteilung der Kriegserklärung an Preußen und Österreich ( April 1792 ) brachten ihn zunehmend in Gegensatz zu den Girondisten[1]. Als Mitglied der Pariser Kommune ( seit dem 10. August 1792 ) und des Nationalkonvents ( seit 20 September 1792 ) wurde Robespierre Führer der Bergpartei[2]. Am 21. September 1792 setzte er ( und die Jakobiner ) mit Hilfe der Girondisten die sofortige Hinrichtung von König Ludwig XVI durch.
Vom 31. Mai bis zum 2. Juni 1793 vollendete er den Sturz der Girondisten nachdem er sie bereits in die Opposition gedrängt hatte. Viele Mitglieder der Girondisten ließ er in den Jahren 1793/94 hinrichten. Das Instrument seiner Schreckensherrschaft war vor allem der von Robespierre ( seit dem 27. Juli 1793 ) beherrschte Wohlfahrtsausschuß. Im April 1794 schwang Robespierre sich zum totalitären Diktator auf, allerdings war er nicht so vom Machtrausch gepackt, sondern handelte er vielmehr auf Grund seiner Ideale. Er war bedürfnislos, linkisch, fanatisch, ein überspannter Advokat, im Grunde ein kleiner Mann, ein blinder Anhänger des Republikanismus. Er war mehr Moralist und Prediger als Politiker und Führer.
Er führte sogenannte Reinigungen im Nationalkonvent durch, bei welchen er «andersdenkende» entfernte, dieser Terror verschärfte sich immer mehr, bis die Anhänger von Robespierre sich selbst nicht mehr sicher fühlten.
Angst trieb die Abgeordneten aller Richtungen zusammen gegen Robespierres Antrag auf eine erneute Reinigung des Konvents. Sie klagten ihn an , ließen ihn verhaften und hinrichten. Am 28. Juli 1794 jubelten die Massen , als sein Kopf fiel.
1794: Maximilien de Robespierre und 21 seiner Anhänger werden hingerichtet, darunter Antoine de Saint-Just und Georges Couthon. Damit endet die Zeit des Terrors im Frankreich der Revolutionszeit.