Was alle wissen, bestätigte jetzt auch die ehemalige britische Geheimdienstchefin Eliza Manningham-Buller. Bei einer offiziellen Anhörung machte sie deutlich, dass vor dem Irak-Krieg bewusst Märchen erzählt wurden, um eine Invasion zu rechtfertigen. Obwohl auch mit dieser Aussage die Beweise erdrückend für die Blair-Regierung vor einem Kriegsverbrechertribunal wären, hält auch in dieser Angelegenheit die korrupte Elite zusammen.
Dass der Irak Atom-, Bio – und Chemiewaffen besitze und Saddam Hussein Verbindungen zum Terrornetz Al-Kaida habe, wurde der Welt einst mit Ernsthaftigkeit als Grund verkauft, den Irak die Steinzeit zurückzubomben. Natürlich glaubte es schon damals niemand, nicht mal Colin Powell, der zurückgetreten ist, nachdem er gemerkt hat, wie er als Kriegstreiber manipuliert wurde. Die Bush-Administration hat bewusst Märchen über die US-Invasion erzählt, bestätigt nun auch die Chefin des britischen Geheimdienst Eliza Manningham-Buller. Sie distanziert sich in der offiziellen Anhörung vor dem Chilcot-Ausschuss von den Märchen, die vor dem Irak-Krieg erzählt wurde. Sie betonte, dass der MI5 nie Informationen über eine angebliche Bedrohung durch Hussein beisteuerte. Auch über die angeblichen Waffenvernichtungswaffen habe der MI5 keine Informationen gehabt.
Trotzdem gab der ehemalige Regierungspräsident Toni Blair in der Anhörung vor dem Chilcot-Ausschuss an, er habe fest daran geglaubt, dass von Saddam Hussein eine ernsthafte Bedrohung ausgehe und dieser über Massenvernichtungswaffen verfüge. Ein Präsident, der auf seinen eigenen Geheimdienst nicht hört und sich vor den amerikanisch imperialistischen Karren spannen liess?
Die ehemalige Geheimdienstchefin belastet die Blair-Regierung jedenfalls schwer: An den Einsatz von Massenvernichtungswaffen, wie dies die Bush- und Blair-Regierung beschworen haben, habe beim MI5 niemand geglaubt. Das wussten die Geheimdienste ebenso wie alle anderen. Hussein sei 2003 auch keine Gefahr gewesen, versicherte die Geheimdienstchefin. Eliza Manningham-Buller bedauert, dass sie den Mut nicht gehabt habe, im Vorlauf des Krieges mit ihren Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen. Das hätte womöglich 1,5 Millionen Menschen das Leben gerettet, die seit der Invasion 2003 im Irak ums Leben gekommen sind.
Am Schluss ist es wieder niemand gewesen. Das wird wohl auch das Resultat der Chilcot-Anhörung sein, die dritte Untersuchung Grossbritanniens über den Irak-Krieg. Der Vorsitzende Sir John Chilcot hat zwar zugesagt, nichts zu verdecken und jeden zu kritisieren, dem es gebührt. Doch Kritiker weisen darauf hin, dass dem Ausschuss kein Gegner des Irak-Krieges oder andere regierungskritische Sektoren der britischen Gesellschaft angehörten. Alle fünf Mitglieder des Chilcot-Ausschusses gehören dem politischen Establishment an. Als zentralen Fehler der Untersuchung bezeichnet Lindsey German von der „Stop the war coalition“ die Tatsache, dass es sich nicht um eine strafrechtliche Untersuchung, sondern lediglich um eine „öffentliche Anhörung“ handelt. Es wird also keine Verurteilung geben. Somit kommen auch in Grossbritannien die Massenmörder und Kriegsverbrecher wohl ohne Strafe davon.