Ach, Falco, die Welt vermisst Dich, seit Du vor 14 Jahren von uns gefahren bist – verladen wie ein Güterzug. Falco ist jetzt bei seinen beiden Drillingsgeschwister, die bereits bei der Geburt starben. Er wurde nur 40 Jahre alt.
Johannes Hölzel nannte sich erst als 20-Jähriger Falco. Und zwar nach dem DDR-Skispring-Ass Falko Weisspflog, der 1976 auf der Oberstorfer Skiskanze den Schanzenrekord von 174 Meter aufstellte. Heute würde es damit nicht mal für eine Qualifikation reichen. Dafür war Falco musikalisch der Überflieger.
Es fing an, als 1982 „Der Kommissar“ veröffentlicht wurde. Auch in Übersee verzeichnete die Single beachtliche Erfolge: In Kanada erhielt Falco für die Single Gold, in den USA schaffte er es mit dem Titel auf Platz 72. Falco war nach der Gruppe Kraftwerk mit ihrem Titel „Autobahn“ erst der zweite Künstler, der mit einem deutschen Text in die US-Charts gelangte. Auch in Guatemala führte der Song die Hitparade an. Insgesamt wurde Der Kommissar weltweit etwa sieben Millionen Mal verkauft, allein in Frankreich 750.000 mal.
Der Titel war weltweit der erste kommerziell erfolgreiche Rap-Song eines Weissen. Dann wurde Falco der grösste österreichische Musiker seit Mozart, obwohl dieser ja Deutscher war. Sein Titel „Rock Me Amadeus“ erreichte als erstes und bisher einziges deutschsprachiges Lied die Spitze der US-Billboard-Charts. Falco verkaufte zu Lebzeiten fast 60 Millionen Platten. Nur noch ein österreichisches Lied übertraf Falcos Welterfolg: „Stille Nacht, Heilige Nacht“ von Franz Xaver Gruber, das in über 300 Sprachen übersetzt wurde und als das bekannteste Lied der Menschheit gilt.
Ende der 80er Jahre wurde es allmählich still um Falco. Zwar brachte er immer noch Platten raus, aber längst nicht mehr so erfolgreich wie zu „Amadeus“ Zeiten. Auch privat gings nicht rund, vor allem als der Arme erfuhr, dass er gar nicht der Vater seiner über alles geliebten Tochter ist. Das brach ihm so das Herz, dass viele dort sein wahres Sterben sahen.
Ebenso drohte Falcos Sterbeankündigung „Out of the dark, into the Light“ zu floppen, als der Singletest „Naked“ scheiterte. Kein Mensch wollte mehr Falco hören, der in den 90ern einfach zu Eighties war. Darum verschob Falco den Album-Release auf unbestimmte Zeit. Als hätte er auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, noch einmal ein grosses Comeback zu geben. Das hatte er auch, als das Album wenige Wochen nach seinem Tod erschien.
Am 6. Februar verunfallte Falco in seiner Wahlheimat der Dominikanischen Republik mit seinem Pajero-Jeep. Er übersah einen Autobus, der ihn mit 100 km/h seitlich rammte. Der Gerichtsmediziner war vom Anblick des Toten entsetzt. Nicht wegen der zahllosen Verletzungen, sondern über den Schrecken in Falcos Gesicht, der sich in der Todessekunde auf sein Gesicht gebannt haben soll, wie der Gerichtsmediziner im Protokoll festhielt. In Falcos Blut fanden sich nach der Obduktion: 150 Mg/DL Alkohol, 2,604 Ng/Ml Kokain und 43,0 Mg/Ml Marihuana. Oder mit anderen Worten: Falcos Drogenpegel war während seines Todes etwa so hoch; es hätte ein ganzer Club damit Party machen können.
Falco lebt ewig. Auch als Science-Fiction Figur. In 2 Folgen der Perry Rhodan Romanen (1263 und 1268) gibt es eine Figur mit Namen Falco Hoelzl – eine Hommage des Autors Peter Griese. Aussserdem benannte Niki Lauda nach Falcos Tod eine seiner Boeing 737 nach seinem Namen. Auch die österreichische Post ehrte ihn vor drei Jahren mit einer Gedenkbriefmarke mit seinem Konterfei. Und sogar eine Stiege wurde im Wiener 5. Bezirk nach Falco benannt. Oder wie er es in „Vienna Calling“ sang: „Wien, nur Wien du kennst mich up, kennst mich down.“
Wir weinen heute still um den grössten deutschsprachigen Rock’n’Roller aller Zeiten und verneigen uns nicht nur vor seinen Taten, sondern vielmehr noch vor seinen Schandtaten.