Bradley Manning: Dem Whistleblowing-Held drohen 52 Jahre HaftDonnerstag, 8. Juli 2010




Die US Army war stinksauer, als die Whistleblowing-Website WikiLeaks das
«Collateral Murder»-Video veröffentlichte. Sie erinnern sich: Im Video, das um die Welt ging, ist zu sehen, wie US-Soldaten harmlose irakische Zivilisten niedermetzelten. Dass die Öffentlichkeit von dieser „peinlichen Sache“ erfahren hat, soll Bradley Mannings „Schuld“ sein. Am Montag wurde Manning offiziell angeklagt und wird vor ein Militärgericht gestellt.
Der Soldat Manning arbeitete als Analyst für die US Army. Dabei soll er zahlreiche Geheimdokumente entdeckt haben, die seiner Ansicht nach ein Fehlverhalten der Streitkräfte belegen. Manning wird vorgeworfen, diese streng geheimen Daten an die Whistleblowing-Website WikiLeaks weitergeleitet zu haben. Unter anderem das als „Collateral Murder“ bekanntgewordene Video, auf dem zu sehen ist, wie US-Soldaten aus einem Apace-Helikopter raus auf Journalisten und andere Zivilisten geschossen haben.
Dass es sich bei Manning tatsächlich um den Whistleblower handelt, will WikiLeaks weder bestätigen noch dementieren. Angeblich wissen die Betreiber nicht, woher das Video stammt. Allerdings belasten Chateinträge den Soldaten schwer, worin Manning die Verantwortung der „Collateral Murder“-Leak übernimmt und gleichzeitig erwähnt, dass er weitere Dokumente an WikiLeaks weitergeleitet hat.
Am Montag wurde Bradley Manning offiziell angeklagt. Manning wird vorgeworfen, «geheime Informationen über die US-Verteidigung» weitergegeben zu haben. In der Anklageschrift heisst es unter anderem, dass das Helikopter-Video «geeignet gewesen wäre, die US-Streitkräfte zu diskreditieren» und seine Veröffentlichung sei der «Ordnung und Disziplin» innerhalb der Streitkräfte abträglich. Insgesamt kommt Manning auf acht Anklagepunkte, darunter, ein Verbrechen unter dem sogenannten «Espionage Act». Dieser verbietet «jeden Versuch, militärische Operationen zu behindern, Amerikas Feinde während Kriegszeiten zu unterstützen, Insubordination im Militär zu fördern oder die militärische Rekrutierung zu behindern». Verstösse gegen den Espionage Act können teilweise erhebliche Strafen nach sich ziehen und Bradley Manning 52 Jahre ins Gefängnis bringen. WikiLeaks kündigte im Vorfeld an, Manning juristische Hilfe leisten zu wollen. Dies sei jedoch nicht als Eingeständnis zu verstehen, dass es sich bei Manning um den Informant handelt.
Übrigens: Die Soldaten, welche das Massaker im „Collateral Murder“-Video verursacht haben, müssen sich nicht vor einem Militärgericht verantworten.
Wrath of WikiLeaks - Philip Shenon - the Bradley Manning Story
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