Bob Marley – Einer, der nur alle 2000 Jahre geboren wird
Montag, 6. Februar 2012
Heute wäre Bob Marley 67 Jahre alt geworden, hätte er nicht schon vor 31 Jahren seinen Bong für immer abgegeben. Doch zwischen Geburt und Tod lebte er ein Leben, das für die einen zum Symbol des singenden Freiheitskämpfers wurde, dessen Waffe alleine die Musik war. Für die anderen war er einfach ein Kiffergott, der die beste Musik zum Breitsein geschrieben hat.
Niemand hätte gedacht, dass der kleine Robert Nesta Marley, der heute vor 66 Jahren als Sohn eines britischen Marineoffiziers und einer erst 18-jährigen Jamaicanerin zur Welt kam, einst ein eigenes Kapitel im grossen Buch der Musikgeschichte bekommen würde. Denn aufgewachsen im schlimmsten Viertel der Hauptstadt Kingston, standen die Chancen nicht wirklich gut auf ein gutes Leben. Wären da nicht seine Freunde Bunny Livingstone und Peter McIntosh gewesen. Und die Musik, die Ende der 50er Jahre von den USA aus im Radio kommt: Ray Charles, James Brown, Fats Domino oder Curtis Mayfield, aber auch schwarze Gesangsgruppen wie The Drifters. In einem Hinterhof nahmen sie Unterricht beim angesehenen Musiker Joe Higgs und gründeten die Wailing Wailers. Mit einer Mischung aus jamaikanischer Tanzmusik und dem, was aus dem Radio ertönte, entstand der Ska. Von 1963 bis 1966 nahmen die Wailing Wailers etwa 30 Singles auf und mauserten sich zu einer der angesagtesten Bands von Kingston.
Ende der 60er Jahre wurde er zum tief religiösen Menschen und ein Anhänger des Rastafari. Rastafari ist eine christliche Religion, die ihre Grundsätze aus verschiedenen Kirchen nimmt. Als Markenzeichen der Rastafaris entwickelten sich eine filzige Frisur und das Kiffen, dem eine religiöse Bedeutung zugrunde liegt: Der Rausch soll sowohl die Gläubigen vereinen, als sie auch Gott, oder Jah, näher bringen. Marley, Livingstone und McIntosh widmen sich nicht nur dem Ganja, sondern auch einer langsameren Form des Ska, dem Rocksteady, oder Reggae, wie er abgekürzt heisst.
Nach einigen USA-Auftritten im Vorprogramm von Bruce Springsteen und Sly And The Family Stone nahmen sie «Burnin'» (1973) auf, das neben älteren Liedern auch «Get Up Stand Up» und «I Shot The Sheriff» hervor brachte. Als eine Coverversion Eric Claptons kurz danach in den USA die Spitze der Singlecharts erobert, ist der Durchbruch geschafft. Doch das zerrütette die Band. Bei den Aufnahmen zu «Nutty Dread» kam es zum Streit. Unzufrieden mit der Orientierung Marleys und seinem Gewicht in der Band, gehen Livinstone und McIntosh eigene Wege. Als Bunny Wailer und Peter Tosh gelangen ihnen erfolgreiche Solokarrieren.
Marley blieb ein gefragter Weltstar, der versuchte, Ruhe in die katastrophale Politik seines Landes zu bringen. Bei einem Aufenthalt in Kingston im Dezember 1976 drangen sogar bewaffnete Männer in sein Haus ein und beschossen ihn. Er kam mit einer leichten Verletzung davon und trat dennoch auf einem Benefizkonzert auf, das er organisiert hat. Anschliessend zog er nach London, wo er mit «Exodus» (1977) ein Album mit autobiografischem Titel aufnahm.
Das optimistische «Uprising» (1980) enthält die Singles «Could You Be Loved» und «Redemption Song». Bob Marley war zwar am Höhepunkt seiner Karriere – in Mailand spielte er vor seinem grössten Publikum, 100.000 Leute - stand jedoch kurz vor dem Tod. Beim Fussball spielen in London zog er sich 1977 eine Fussverletzung zu, die sich unbehandelt bösartig entwickelte. Diagnose: Krebs. Marley weigerte sich, den Fuss amputieren zu lassen. Das Ergebnis: Gehirntumor. Zwar entschied er sich für eine Behandlung, aber es war zu spät. Am 11. Mai starb Bob Marley. Er wurde nur 36 Jahre alt.
Seine Frau Rita sagte einmal über ihn: «Bob war kein normaler Mensch. Er war einer von jenen, die einmal alle 2000 Jahre erscheinen». Wie Jesus.
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