Heute vor 31 Jahren starb der Vater des Rock’n’Roll, der für seine „Radau“-Musik viel einstecken musste. Seine Konzerte galten als Brutstätte des Bösen und endeten oft in Krawalle, er war die Initialzündung einer kulturelllen Revolution, die bis heute eine der wichtigsten überhaupt sit. Bill Haley wurde nur 56 Jahre alt.
Bill Haley wuchs in Pennsylvania auf und kam früh in Kontakt mit der Country & Western-Musik, die sein Vater so gerne mochte. Bill Haley spielte und sang zuerst in den umliegenden Dörfern als Solist oder zusammen mit Cousin Lee's Band.
Bill Haley gründete 1947 seine eigene Band, die zuerst „Four Aces of Western Swing“ hiess, aber bald darauf in „The Saddlemen“ umbenannt wurde. 1950 entwickelte Bill Haley und seine Band einen eigenen Musikstil aus dem Gemisch von Western Swing, Country Boogie und Rock und Blues Elementen. Bill Haley arbeitete daran, seinen Western Swing mit dem Rhythm & Blues der Farbigen zu verschmelzen, eine Mixtur, mit der Bill Haley bei seinen Auftritten sehr erfolgreich war und die ihm bereits auf dem „Holiday Label“ seinen ersten kommerziellen Erfolg verschaffen sollte, mit der Aufnahme einer neuen Version von Jackie Brenston's „Rocket 88“, auf dem ein gewisser Ike Turner zum ersten Mal in der Geschichte eine elektrische Gitarre spielte.
Bereits 1952 hängten The Saddlemen ihre Cowboyhüte an den Nagel und tauschten sie gegen die legendär gewordenen grosskarierten roten Sakkos als Manifestation ihres neuen Stils – „The Comets“ waren geboren. Unter diesem Namen verschaffte Bill Haley und seine Band dem Rock 'n' Roll den Durchbruch. Nur ein Jahr später, 1953, wurde der erste Song als „Bill Haley & The Comets“ veröffentlicht: Der Song „Crazy Man Crazy“ wurde in den USA zu einem Top-20-Hit und zu einem nationalen Millionenhit.
„Rock Around The Clock“ war 1954 die erste Veröffentlichung der Verbindung mit Decca Records, gefolgt von einer Cover-Version von Joe Turners „Shake, Rattle & Roll“. Diese Millionenhits trugen dazu bei, dass die Filmgesellschaft MGM beschloss, „Rock Around The Clock“ als Titelmusik für Richard Brooks' Film „Saat der Gewalt“ (1955) auszuwählen, ein Film über eine von Jugendlichen terrorisierte Schule in der Bronx. „Rock Around The Clock“ wurde über Nacht die Hymne der Jugendbewegung und soll mit 25 Millionen verkauften Exemplaren die weltweit meistverkaufte Rock'n'Roll-Platte sein.
Der Film «Rock Around The Clock» (1956) und der kurz darauf folgende Streifen „Don't Knock The Rock“ (1956) sowie seine Konzerte lösten randalierende Aktionen in ganz Amerika und Europa aus, die wiederum Bill Haley als Botschafter der «neuen» Musik promoten. Auch 1957 während seiner Deutschlandtournee kam es zu Zuschauertumulten in Essen und Berlin. Bill Haley wurde vor allem in Europa als «Jugendverderber» und «Radaumusiker» bezeichnet. Die Verwüstungen bei seinen Konzerten trugen sicherlich dazu bei, dass der Rock'n'Roll Ende der 50er Jahre in den USA von der älteren Generation als Teufelswerk abgelehnt und schliesslich zeitweise ganz verboten wurde.
1958 veröffentlichte Bill Haley mit „Skinni Minnie“ seinen letzten grossen Hit, der drei Jahre später vom Produzenten Bert Kaempfert mit Tony Sheridan und seiner damals unbekannten Begleitband «The Beatles» eingespielt wurde. Insgesamt hatte Bill Haley in den US-Hitlisten 29 Platzierungen, davon 21 in den Top-40. In England waren es 19 Top-100-Platzierungen, davon 15 in den Top-20. Von 1953 bis 1957 waren Bill Haley & the Comets die erfolgreichste Rock-’n’-Roll-Band der Welt.
Bill Haley war der König des Rock’n’Rolls bis im September 1956, als er von einem gewissen Elvis Presley nach dessen Auftritt in der Ed-Sullivan-TV-Show im September 1956 verdrängt wurde. Mit dem Durchbruch Elvis Presleys schwand Bill Haleys Popularität, da er durch sein Alter und sein Aussehen gegenüber Elvis den kürzeren zog.
Seine grössten europäischen Erfolge feierte Bill Haley aber sowieso in Grossbritannien, wo er bei seiner zweiten Tournee von der Queen begrüsst wurde, die ihm angeblich vertraulich wissen liess, dass sie ein grosser Fan seiner Musik sei.
Viele Titel Bill Haleys hielten sich wochenlang in den britischen Top Thirty. Bill Haley & His Comets avancierten dort zu den ersten Megastars einer Musikrichtung, die ausschliesslich auf die Konsumentengruppe der Jugendlichen ausgerichtet war und seitdem zur wichtigsten Facette der Musikindustrie geworden ist.
Doch Bill Haley wurde auch älter, wobei er sehr am Krebs-Tod seines legendären Saxophonisten und seines besten Freundes Rudy Pompilli im Jahre 1976 litt. Die letzten Tourneen 1979 und 1980 waren ohne den legendären Saxophonisten nicht mehr ganz so unbeschwert wie früher.
Am 9. Februar 1981 starb Bill Haley zu Hause in seiner mexikanischen Villa in Harlington, Texas, völlig überraschend an einem Herzinfarkt. Seinem Sohn hatte er kurz zuvor am Telefon noch erzählt, er stimme schon seine Gitarre für die nächste Tour.
Es kamen viele Rock'n'Roller nach Bill Haley, vielleicht mit besserer Stimme und vielleicht besser aussehend. Aber Bill Haley war nun einmal der erste, der eine so grundlegende Bedeutung für diese Musik erlangt hat.