Abenteuerliche Bergbahnen, Teil 2: Die „Sie und Er-Lifte“ Mittwoch, 31. März 2010




Die „Sie- und Er-Lifte“ machten aus dem elitären Skisport einen Breitensport. Basierend auf einer einfachen, ja fast simplen Idee, revolutionierten die Bügellifte die Wintersportindustrie. Als am 23. Dezember 1934 der erste Bügelskilift der Welt auf der Bolgenpiste in Betrieb genommen wurde, war es ein bisschen wie Weihnachten für die Davoser Wintersportler. Die Anlage war ein voller Erfolg und verzeichnete am Ende ihrer ersten Saison im März 1935 bereits 70'000 Schleppfahrten. Das ist unglaublich viel, wenn man bedenkt, dass nur 170 Leute in der Stunde transportiert werden konnten. Also kam Skilehrer Jack Ettinger auf die Idee, den Einerbügel durch T-förmige Doppelbügel zu ersetzen, um die Transportfähigkeit um das Doppelte zu steigern. Dafür liess Ettinger bei seinem Vater, einem Wagner, einen Prototypen aus Holz herstellen.
Der Skilifthersteller Constam erkannte das Potenzial der Leistungsverdoppelung und liess den Bolgenlift für den Winter 1935/36 auf Doppelbügel umrüsten. In der Werbung wurden die mit Doppelbügeln ausgerüsteten Skilifte in der Folge «Sie- und Er-Lifte» genannt. Jack Ettinger hat es leider versäumt, seine Erfindung patentieren zu lassen, doch liess ihm Constam für jeden neuen Lift einige hundert Franken überweisen. Bereits ein Jahr nach der erfolgreichen Premiere konnte Constam im mondänen St. Moritz seinen zweiten Skilift erstellen, der mit einer Länge von 800 Metern den Bolgenlift um das Dreifache an Länge übertraf. Schon bald zog auch Arosa mit und kaufte sich den ersten «Sie- und Er-Lift». Im Skigebiet Lenzerheide auf der Westseite gibt es noch heute eine Hommage an diesen Lift mit der «Sie- und Er-Piste».
Im Kriegsjahr 1939 tauschte der Toggenburger Kurort Wildhaus seinen Funi-Schlitten gegen einen Gurtenskilift aus, der bereits erfolgreich in Crans-Montana lief. Der Gurtenskilift ist ein besonders kurioses Beförderungssystem, denn er diente gleichzeitig als Ticket-System. So bekam der beförderungswillige Skifahrer gegen Entgelt einen Gurt (1.20 Franken pro Fahrt), den sich der Skifahrer um den Leib schnallen und mit einem Sicherheitshandgriff festhalten musste. Der Gurt wurde an einem Hanfseil eingehakt. Oben angekommen, musste der Skifahrer den Gurt abgeben und sich bei erneuter Fahrt einen neuen Gurt gegen Entgelt holen. Das System setzte sich trotz anfänglicher Beliebtheit nicht durch.
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