40'000 $ Busse! Bericht von Ölkatastrophe ist jetzt „schweres Verbrechen“
Mittwoch, 7. Juli 2010
Rechtzeitig zum Independence-Day wurde das erste Grundrecht der Amerikaner nach über 230 Jahren offiziell ausser Kraft gesetzt. Seit einigen Tagen gibt es in den USA wieder eine Medienzensur: Reporter, die vor Ort von der BP-Ölkatastrophe berichten, erwartet wegen „schweren Verbrechens“ eine Busse von 40'000 Dollar. So will es eine erlassene Vorschrift, wie CNN-Reporter Anderson Cooper entsetzt berichtete. Warum?
Natürlich sind die Bilder von Öl verschmierten Vögel und im Öl sterbenden Fische schrecklich. Allerdings hätten die Medienkonsumenten schon bereits nach zwei Tagen genug davon und die ganze Ölkatastrophe würde vor allem im Umfeld des WM-Finals im medialen Sand so schnell verschwinden wie das Haiti-Erdbeben. Abgesehen davon, dass wir alle bereits die Bilder von Öl verschmierten Vögel gesehen haben, kann dies nicht der einzige Grund sein, warum gestern eine Vorschrift mit Gesetzeswirkung in Kraft getreten ist, die jegliche Berichterstattung vor Ort der Ölkatastrophe unter Strafe stellt. Dabei erwarten jedermann Bussen in der Höhe von 40'000 Dollar, wer Fotos vom Strand von Louisiana macht. Denn die neue Vorschrift taxiert das Nichteinhalten der Nichtberichterstattung als ein „schweres Verbrechen“. In kurzen Worten: Zensur.
Wie CNN-Reporter Anderson Cooper berichtete, soll die Vorschrift, die Gesetzeskraft besitzt, „Reporter und Fotografen daran hindern, in die Nähe von Öl-Barrieren und Öl verschmierten Tieren zu kommen“, sagt Cooper. Wirklich nur darum? Zumal ja jeder bereits Bilder von Öl verschmierten Seevögeln gesehen hat und dies medial sogar in Szene gesetzt wurde (Öl verschmierter Pelikan, das Wappentier von Louisiana).
Warum schützt eine US-Vorschrift die Interessen einer britischen Ölfirma und gibt zum Schutz von BP ihr erstes Grundrecht auf, nämlich das Recht auf freie Meinungsäusserung? Was ist da genau los?
Die Frage scheint daher berechtigt, zumal niemand den Umgang mit den Medien so perfekt beherrscht wie die US-Regierung. Da gibt’s keine Zufälle, sondern hoch konzipierte Inszenierungen, bei der alles stimmt. Doch aus dieser Show werden wir nicht schlau. Wäre es nicht die allerbeste Propaganda für Obama und seine Leute, die Krise für ihre Zwecke zu nützen und so dramatische Bilder wie möglich von diesen britischen Umweltsünderschweinen zu machen, um die Solidarität der US-Mitmenschen zu wecken, so wie bei Kathrina oder Haiti? Doch das Gegenteil ist geschehen: Amerikanischen Journalisten wird nun per Gesetzes-Vorschrift verboten, an den Strand von Louisiana zu gehen und von dort über eine Ölkatastrophe zu berichten, welches die US-Bürger unmittelbar betrifft und von einer britischen Firma verursacht wurde. Eine Katastrophe zu verursachen ist also keine Straftat, darüber zu berichten schon – wie absurd ist das denn? Nun, es ist wie es ist.
Die Fragen sind vielmehr: Was ist der Zweck der Nichtberichterstattung? Was ist die Taktik und vor allem die Brisanz, dass die USA seit wenigen Tagen eines ihrer grössten Rechte, für eine britische Firma aufgegeben hat? Das erste Grundrecht der Amerikaner war bis vor kurzem die Redefreiheit, die uneingeschränkt das Recht einschliesst, auch einen öffentlichen Strand zu betreten und Bilder davon zu machen, was dort offen und in öffentlichen Gewässern vor sich geht. Doch das wichtigste Grundrecht der amerikanischen Bürger ist seit einigen Tagen nur noch Makulatur: Yes, we can.