Fast täglich hört man inzwischen die schlimmsten Geschichten über das Verhalten der Zürcher Stadtpolizei. Joint-Raucher werden mit Handschellen abgeführt, harmlose Passanten inhaftiert und Leute, die den Ausweis nicht bei sich tragen, stundenlang verhört, erniedrigt und sinnlos festgehalten. Die Zürcher Stadtpolizei hat völlig das Augenmass verloren und die Polizisten verhalten sich wie wildgewordene Rambos auf einem Saubannerzug.
Vielen sind noch die Bilder des „10 vor 10“-Beitrags vom Dezember 09 präsent, als ein Reporterteam mit der Stadtpolizei Zürich im Chreis Cheib unterwegs war. Dabei filmten sie, wie sich die Polizisten wie aggressive Zuhälter verhielten und jeden verhafteten, der irgendwie aufmuckte. Es war leider keine Ausnahme, sondern anscheinend die neue Regel. Die Zürcher Stadtpolizei verhält sich unglaublich aggressiv und ahndet jede Kleinsttat mit grösstmöglicher Härte. Natürlich muss sich die Polizei nicht alles gefallen lassen, aber wir Bürger uns auch nicht.
Nur ein Beispiel vom Wochenende: eine muntere Spasstruppe wollte ins Lakeside an die „Mykonos-Party“. Schon ein bisschen angetätscht, liess sich die vierköpfige Truppe mit dem Taxi ans Zürihorn bringen. Als die Jungs aus dem Taxi steigen wollten, blockierte das Taxi einem Kastenwagen der Polizei den Weg. Die Polizei machte sich durch Hupen bermekbar, worauf einer der Spasstruppe den Polizisten den Mittelfinger zeigte. Das löst mittlerweile bei der Stadtpolizei Zürich einen Grossalarm aus. Denn, kurz nach diesem „respektlosen“ Akt, stürmten die Cops mit Pfefferspray bewaffnet aus dem Kastenwagen und legten dem Mittelfinger-Mann Handschellen an und nahmen ihn auf die Urania-Wache, wo er äusserst demütigende Prozeduren über sich ergehen lassen musste. Weil er keinen Ausweis dabei hatte, wurde der Mittelfinger-Mann stundenlang verhört und anschliessend in eine Zelle gesteckt. Erst am nächsten Morgen, um 10 Uhr, durfte er heimgehen. Er beschäftigte damit über Stunden vier Beamte. An einem Samstagabend in Zürich!
Es ist nur eine von vielen Geschichten über die neue Unverhältnismässigkeit der Zürcher Stadtpolizei. Im Visier sind dabei keine Schlunggis, sondern ganz normale Leute wie Sie und wir. Aber vor den übermotivierten Jungbullen, die am 1. Mai in Zürich mehr Leute festgenommen haben als die Berliner Polizei am gleichen Datum, scheint im Moment niemand sicher zu sein. Ein deutscher Passant, der zufällig am 1. Mai an der Langstrasse vorbeikam, wurde einfach von der Polizei verhaftet. Er meinte, als er wieder rauskam: „Die spinnen, die Zürcher Bullen!“
Zürichs Polizei kennt keine Toleranz mehr und lässt sich schneller provozieren als ein Türsteher auf Koks. Das geht doch nicht, dass sich die Polizei aufspielt wie die Wächter eines Gefangenenlagers und jeden überprüft, der es lustig hat und Leute polizeilich wegweist, die miteinander auf der Strasse plaudern.
Es ist eine Schande, wie eine ehemals tolerante Stadt zu einer Polizeistadt geworden ist, die anstatt ihre Bürger zu schützen, sie gängelt und drangsaliert. Jederzeit könnte irgendwo wieder eine Kastenwagentür aufgehen und ein halbes Dutzend Cops rausstürmen, weil irgendwo jemand eine Zigarette angezündet hat, die vielleicht Haschisch enthalten könnte.
Viele rechtsbürgerliche Politiker, die um 21 Uhr ins Bett gehen, finden das harte Vorgehen der Polizei grossartig, im Glauben, die Polizei sorge damit endlich wieder für Recht und Ordnung, weil sie das so im „Tele Züri“ gesehen haben. Da betten sie sich aber in falscher Sicherheit, denn wenn Polizisten und Zellen für Lappalien wie „kein Ausweis auf sich tragen“ draufgehen, haben die Verbrecher da draussen freie Bahn, ihnen die Züriberghütte auszurauben. Es wird niemand kommen, da alle Beamten besetzt sind. Zum Beispiel mit Velofahrer ohne Vignetten, Jointraucher oder Fussgänger, die nicht über den Zebrastreifen gehen.
Mit der Aktion „Respekt“ hat sich die Zürcher Stadtpolizei ins eigene Bein geschossen. Denn jeder, der sich von der Polizei schon mal ins Arschloch schauen lassen musste, hat danach auch eine Bezeichnung dafür.